Wie siehst du die Dinge? – über Fokus, Wahrnehmung und Verhalten

Feb 29

Das Thema „Pferdeverhalten“ geht jeden an, der mit Pferden zu tun hat, sei es als Hobbyreiter oder Profi.

Die Frage ist, wie gehen wir damit um? Worauf sollen wir im Umgang mit dem Pferd achten, und wie müssen wir uns verhalten, damit es uns versteht?

Wer wissen möchte, wie mit Pferden umgegangen wird, braucht sich nur in unseren vielen Reitställen umzuschauen. Dort findet man alles, vom Drillinstruktor, über den Theoretiker, den Nörgler, den ehrgeizigen Leistungssportler, bis über die fürsorgliche „Krankenschwester“.

Pferdetechnisch findet man auch dort alles, was das Reiterherz begehrt, von sturen Böcken, über phlegmatische Schnarchnasen, hochsensiblen Feuerstühlen, dummen Gäulen, bis hin zu feingetunten Turniermaschinen, ist in der Regel alles dabei.

Es ließen sich komplette Gesellschaftsstudien in den Reitställen durchführen. Fast nirgendwo anders findet man so viel unterschiedliche menschliche Verhaltensweisen vor, wie dort. Wenn Pferde ein Spiegel unserer Seele sind, dann sind Reitställe ein Vergrößerungsglas.

Es gibt grob betrachtet, 3 Grund- Typen von Pferdebesitzern, die jeder für sich eine komplett unterschiedliche Wahrnehmung auf das Pferd und sein Verhalten haben.

Die 3 Typen

1. Typ: der Drillinstruktor

Bevorzugte Methode: Dominanz

Motto: „Bursche, mit mir nicht….“

Es ist wichtig, dass das Pferd weiß, wer die Hosen anhat. Schließlich hat man es nicht mit einem Meerschweinchen zu tun, sondern mit einer Masse aus Muskeln und Sehnen von mindestens einer halben Tonne Lebendgewicht. Man muss sehr genau darauf achten, dass einen das Pferd respektiert und es den Raum seines Chefs wahrt. Bei der kleinsten Regelübertretung muss das Pferd korrigiert, bzw. bestraft werden. Man muss konsequent sein und darf niemals Schwäche zeigen. Das spüren die Pferde sofort und nutzen das eiskalt aus. Je dominanter man auftritt, umso weniger Probleme hat man im täglichen Umgang mit seinem Pferd.

Die Pferde der Drill-Instruktoren sind in der Regel sehr gehorsam bis unterwürfig. Was den meisten jedoch fehlt ist die Entspannung.

2. Typ: der Besorgte

Bevorzugte Methode: mütterliche Fürsorge

Motto: „Ruhig Brauner, es passiert dir nichts,…Mutti ist ja da…

Es ist wichtig, dass wir unseren Pferden helfen in ihrer Komfortzone zu bleiben. Das sind wir ihnen schuldig, und sie danken es einem auch. Man muss sie schützen, besonders, wenn sie schon viel Schlimmes erlebt haben. Das funktioniert am Besten, wenn man alle potentiellen Stressauslöser vermeidet und geduldig ist. Regelmäßige Belohnung mit Futter und sanfte verbale Dauerberieselung sind das Mittel der Wahl. Je geduldiger man ist, umso mehr vertraut einem das Pferd. Hilfe von aussen ist mit Vorsicht zu genießen. Schließlich weiß niemand ausser uns was unser Pferd wirklich braucht.

Die Pferde vom Besorgten Typ, sind in vielen Fällen sehr verunsichert und machen oft einen abgeschalteten Eindruck. Manchmal äußert sich ihr Verhalten auch in Dominanz und Aggression. Was ihnen fehlt ist die Klarheit und die Konsequenz.

3.Typ: das Opfer

Bevorzugte Methode: Resignation

Motto: „da lässt sich nichts machen…damit muss ich leben..“

Pferde sind unberechenbar und dominant und wir können froh sein, wenn sie uns überhaupt dulden. Man hat keinen Anspruch auf die Aufmerksamkeit der Pferde. Man kann nur hoffen, dass man mal einen guten Tag erwischt, wo sie uns ein bisschen beachten. Pferde haben ihren eigenen Kopf und es ist unmöglich als Nicht-Profi sie zu verstehen. Regelmäßiger Reitunterricht ist daher Programm. Es muss jemanden geben, der einem sagt, was zu tun ist und der im Ernstfall die Verantwortung übernimmt.

Die Pferde vom Opfer-Typ sind in der Regel ängstlich bis dominant. Was auch ihnen am meisten fehlt, ist die Klarheit und Sicherheit.

Fokus >> Wahrnehmung >> Verhalten

Worauf wir achten, und wie wir uns letztendlich verhalten, hängt maßgeblich davon ab, wie wir das, was wir sehen, wahrnehmen.

Der Drill Instruktor sieht in dem Pferd eine Bedrohung seiner Führerposition und verhält sich dementsprechend dominant. Der Besorgte nimmt das Pferd als beschützendes und zerbrechliches Wesen wahr und kann sich aufgrund dessen nur fürsorglich verhalten. Das Opfer fühlt sich in der Gegenwart seines Pferdes hilflos und ausgeliefert. Er kann also gar nicht anders, als sich passiv zu verhalten und Verantwortung abzugeben.

1. Das, worauf wir unseren Fokus legen, vergrößert sich!
2. Unser Fokus steuert unsere Wahrnehmung!
3. Unsere Wahrnehmung steuert unser Verhalten!

Wenn der Drillinstruktor sein Pferd nicht mehr als Bedrohung wahrnimmt, sondern als zuverlässigen Partner, mit dem man gemeinsam die Schlachten des Lebens schlagen kann, wird er automatisch die Rolle des verständnisvollen Gefährten annehmen.

Wenn der Besorgte sein Pferd nicht mehr als zerbrechliches und abhängiges Wesen wahrnimmt, sondern als eigenständige Persönlichkeit, die sich nur entwickeln kann, wenn man ihr hilft über sich hinaus zu wachsen, wird aus dem Zauderer ein souveräner Führer.

Wenn das Opfer anfängt, Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen und sein Pferd nicht mehr als unberechenbares, sondern als respektvolles Wesen wahrnimmt, wird er ins Handeln kommen und endlich Ziele definieren können.

Wenn du diese 3 simplen Schritte befolgst, wird sich deine Sicht auf die Dinge, und damit dein Verhalten komplett zum Positiven verändern.

1. Beobachte, ohne zu bewerten!
2. Sieh es positiv!
3. Sorge dafür, dass es positiv wird!

Herzlichst, Eure Michi

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Über Michaela Koelbl

In über 20 Jahren Arbeit mit den unterschiedlichsten Pferden und Menschen im In-und Ausland konnte sie eine Trainings-Philosophie entwickeln, die Rittigkeitsprobleme, Verhaltensauffälligkeiten, sowie Verladeprobleme von Sport-und Freizeitpferden gewaltfrei und effektiv löst.

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