Wie finde ich einen guten Trainer

Mai 15

Pferdetrainer (damit schließe ich natürlich alle Trainerinnen ein:) gibt es mittlerweile wie Sand am Meer, aber nach den richtig Guten muss man mitunter lange suchen. Besonders für unerfahrene Pferdebesitzer kann dies zu einer großen Herausforderung werden.

Das liegt zum einen an dem immer größer werdenden Angebot und zum anderen an unserer heutigen Marketingmaschinerie, die es dank Facebook & co. im Prinzip jedem ermöglicht sich ins rechte Licht zu rücken.

Wem die Gestaltung einer eigenen Website zu aufwändig und teuer ist, kann sich in ein paar Minuten eine Fanpage auf Facebook einrichten und sie mit seinem Smartphone verwalten. Fotos, Videos und Beiträge lassen sich innerhalb kürzester Zeit mit der virtuellen Welt teilen und verknüpfen. Feedbacks gibt’s in der Regel sofort.

Es ist gut, dass es soziale Netzwerke gibt, in denen Gruppen gebildet, gefachsimpelt, aufgerüttelt und geliked wird. Keine Frage. Auch soll jeder, der etwas zu sagen hat, seine Expertise anbieten und sich im Markt positionieren können.

Nur was ist mit den schwarzen Schafen? Woher weiß ich, welche Trainer nur heiße Luft versprühen und welche wirklich was drauf haben?

Kann ich mich blind auf die Meinung anderer Netzwerker verlassen, die ich in den meisten Fällen ja noch nicht mal persönlich kenne oder kann ich von der Gestaltung der Webseite auf die Qualität der Anbieter dahinter schließen?

In beiden Fällen gibt es leider keine allgemeine Regel.

Erstens: Nicht immer hat die Masse der Medien Recht und zweitens kann die Gestaltung einer Webseite ein Indiz für die Qualität des Anbieters sein, aber eben nicht immer.

Also, wie sollen wir jetzt beurteilen, ob der Trainer, den wir in die engere Wahl gezogen haben, auch wirklich was taugt? Webseiten sind mindestens so geduldig wie das virtuelle Papier, auf dem ich gerade schreibe.

Ich möchte Ihnen ein paar Tipps auf den Weg geben, die Ihnen viel Zeit, Geld, Nerven und Enttäuschungen ersparen können.

#1:  Lassen Sie sich nicht von glitzernden Webseiten blenden

Eine klar gestaltete Seite ist für die Positionierung im Markt sehr wichtig. Keine Frage.

Einige Profis beherzigen diese Regel und heben sich positiv von der Masse der Anbieter ab. Aber Achtung: Es gibt super professionelle Seiten, hinter denen sich selbsternannte Experten verbergen können, die sich auf Wochenendkursen ein gefährliches Halbwissen angeeignet haben und damit auf die Menschheit und Tierwelt losgehen.

Genauso häufig gibt es sehr kompetente Trainer, deren chaotische und scheinbar lieblos gestaltete Seiten nicht im Entferntesten auf den wahren Wert dahinter schließen ließen.

Und dann gibt es Trainer, in der Regel die Älteren, die weder eine Seite haben, noch Teil eines sozialen Netzwerks sind.

#2:  Lesen Sie Webseiten mit anderen Augen

Sie sollten beim Lesen einer Internetseite nach kurzer Zeit wissen, worum es geht, welche Philosophie der Anbieter hat und über welche Erfahrung er verfügt.

Seien Sie vorsichtig, wenn jemand behauptet:…“ich habe mit Toptrainer XY gearbeitet…“ Dahinter könnte sich folgendes verstecken: „ ich war Teilnehmer oder Zuschauer bei einem oder mehrerer Wochenendkurse von Trainer XY.

Es ist in den letzten Jahren in Mode gekommen sich mit namhaften, teilweise schon verstorbenen Trainern zu schmücken und somit den Eindruck zu erwecken man gehöre selbst zu den ganz Großen. Das ist für mich genauso hanebüchen wie sich für ein schnelles Facebook Post mit seinem Guru ablichten zu lassen und wohlmöglich mit seinem Autogramm zu prahlen.

Wer behauptet er hätte mit namhaften Größen der Pferdeszene gearbeitet, sollte einen längeren Zeitraum auch tatsächlich dort gearbeitet haben, und damit meine ich nicht als Stallbursche oder Groom.

#3:  Verlassen Sie sich auf Ihr Bauchgefühl

In der Regel wissen wir schon nach den ersten Sekunden, ob der Anbieter, den wir uns gerade anschauen zu uns passt.

Manche nennen es Intuition, andere Bauchgefühl oder innere Stimme. Wenn Sie diesem Gefühl folgen, sind Sie fast immer auf der sicheren Seite.

Unsere Intuition weiß Dinge ohne sie wirklich zu wissen und das innerhalb kürzester Zeit. Wir können uns also ein mühsames Abwägen der Fakten ruhig sparen, denn am Ende werden wir sehr wahrscheinlich zu dem gleichen Ergebnis kommen.

#4:  Fragen Sie andere Profis

Es ist immer sinnvoll andere Experten zu fragen und sich nicht blind der Meinung der Masse anzuschließen.

Wenn Sie einen Profi kennen, den Sie bewundern, der aber zu weit von Ihnen entfernt ist, fragen Sie ihn oder sie nach gleichgesinnten Kollegen.

Ich habe es oft erlebt, dass die meisten Trainer sehr aufgeschlossen sind und gerne Auskunft geben. Je professioneller sie sind, umso weniger Probleme haben sie in der Regel andere zu empfehlen.

Haben Sie einen Trainer gefunden, googeln Sie was das Zeug hält und suchen Sie nach Querverweisen, Artikeln und Feedbacks. Ganz wichtig: Gehen Sie auf Youtube und schauen Sie sich Videos an. Dort bekommen Sie den besten Eindruck.

#5:  Beobachten Sie den Trainer bei der Arbeit

Dies ist wohl der beste Tipp, den ich Ihnen geben kann. Wenn Sie einen Trainer in die engere Wahl geschlossen haben, besuchen Sie ihn und beobachten Sie ihn bei der täglichen Arbeit mit Pferden und Kunden.

Wie geht der Trainer mit den Tieren um, wie reagiert er, wenn sich ein Problem anbahnt? Hat er ein Gefühl für das richtige Timing, d.h. hört er an einem guten Punkt auf oder wiederholt er ein und die selbe Aufgabe? Wie ist seine Art zu unterrichten? Geht er auf die Bedürfnisse und Befindlichkeiten seiner Schüler ein oder macht er Dienst nach Vorschrift?

Ein besonders guter Ort sich über die Lehrfähigkeiten potentieller Trainer zu informieren, sind Kurse. In den meisten Fällen können Zuschauer manchmal gegen eine kleine Gebühr zuschauen und sogar Fragen stellen.

Wenn Sie einen Trainer für den Wettkampf suchen, gehen Sie auf Turniere und beobachten Sie Ihren Favoriten genau auf dem Arbeitsplatz und wie er seine Schützlinge vor dem großen Auftritt coacht. Unter Stress zeigt sich die wahre Qualität der Trainer.

#6:  Nehmen Sie eine Probestunde

Wenn Ihnen ein Trainer gefällt, vereinbaren Sie eine Probestunde. Sie sollten nicht darauf bestehen sie umsonst zu bekommen, denn Ihr Trainer lebt davon und kann sich nicht erlauben durch die Gegend zu fahren und permanent kostenlosen Unterricht anzubieten. Im Übrigen bin ich der Meinung, dass sich der Wert des Trainers auch in seinem Honorar widerspiegeln sollte.

Wenn Sie Ihrer inneren Stimme vertrauen, werden Sie nach den ersten paar Minuten wissen, ob die Chemie zwischen Ihnen und Ihrem Trainer stimmt. Verlassen Sie sich darauf.

Stellen Sie Ihrem Trainer Fragen und geben Sie sich nicht mit 08/15 Antworten zufrieden. Haken Sie nach. Sie wollen einen kompetenten Partner, der Sie professionell begleitet aber gleichzeitig keinen Ego Trip fährt. Auch sollten Sie darauf achten, dass er Sie nicht mit inhaltslosem Geschwafel einlullt. Davon gibt’s mittlerweile sehr viele.

Ein weiteres Indiz für die Qualität Ihres Trainers ist Ihr Fortschritt und der Ihres Pferdes. Ich bin sogar der Auffassung, dass Sie innerhalb der ersten Stunde deutliche Verbesserungen feststellen sollten. Ein guter Trainer weiß sofort worauf er seinen Schwerpunkt legen muss, um Ihnen und Ihrem Pferd effektiv zu helfen.

Wenn er sich auf Ihr Pferd setzt, sollte er Sie vorher fragen, ob das für Sie okay ist. Lassen Sie ihn erst drauf, wenn Sie das Gefühl haben, das er gewaltfrei arbeitet.

Das Vorreiten sollte Ihr Trainer nicht dazu nutzen Sie in ein schlechtes Licht zu stellen oder Ihr Pferd zu drangsalieren. Wenn dies der Fall sein sollte, beenden Sie die Stunde sofort!

#7:  Machen Sie ein Praktikum

Der beste Tipp zum Schluss. Wenn Sie die Möglichkeit haben eine Weile mit dem, bzw. der Trainerin Ihrer Wahl Zeit zu verbringen, nutzen Sie das. Bekommen Sie ein Gefühl für seine Arbeit und tauchen Sie ein in den Alltag.

Stellen Sie Fragen und beobachten Sie viel. Wenn Sie sich einen Trainer ausgesucht haben, der keinen eigenen Stall hat, sondern nur durch die Gegend fährt, fragen Sie ihn, ob Sie ihn bei seinen Terminen begleiten dürfen. Dabei sollten Sie nicht den Fehler machen sich in die Kundengespräche einzumischen, es sei denn Sie werden gefragt.

Es lohnt sich auf jeden Fall ein wenig Mühe und Zeit in die Trainersuche zu investieren und es kann sogar passieren, dass Sie am Ende einen neuen Favoriten haben, der zuvor überhaupt nicht auf Ihrer Liste war. Lassen Sie sich überraschen und seien Sie offen für die Veränderungen, die sich Ihnen bieten.

Ich wünsche Ihnen bei Ihrer TrainerIn Suche viel Erfolg und Spaß. Wenn Sie Fragen oder Anregungen haben, können Sie dies gerne hier tun.

Alles Gute,

Ihre Michaela Koelbl

Folge mir

Über Michaela Koelbl

In über 20 Jahren Arbeit mit den unterschiedlichsten Pferden und Menschen im In-und Ausland konnte sie eine Trainings-Philosophie entwickeln, die Rittigkeitsprobleme, Verhaltensauffälligkeiten, sowie Verladeprobleme von Sport-und Freizeitpferden gewaltfrei und effektiv löst.

>
Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.