Dink’n around

Mrz 13

Die spektakulärsten Veränderungen gehen in den meisten Fällen ohne großes Feuerwerk von Statten und es ist gut möglich, dass man sich am Ende fragt, was um alles in der Welt den Durchbruch gebracht hat. Manchmal scheint es so, als wäre eine unsichbare Macht zugegen, die den Verlauf beeinflusst hätte. Auf den zweiten Blick wird aber deutlich, dass
es um die Dinge hinter den Dingen geht, die am Ende über den Ausgang entscheiden. Es geht um viel mehr als um Handwerk oder Technik.

Vor fast dreißig Jahren kam ich das erste mal mit diesem Phänomen in Berührung und es dauerte noch eine ganze Weile, bis ich die Zusammenhänge wirklich verinnerlicht hatte und auf einer anderen Ebene verstand, wie man Veränderungen herbeiführen konnte, ohne sie zu erzwingen.

Es begann 1990 in Eagle Point, Oregon an einem milden Frühlingstag. Mein Mentor Don, der für mich wie ein Vater war, hatte eine besondere Art mir Dinge zu vermitteln. Meistens ergab sich etwas in dem Training mit den Pferden oder Don ließ irgendeine Bemerkung fallen, die manchmal erst viel später Sinn ergab.

Eines seiner Lieblingspferde war Jessie, eine schlanke dreijährige Reiningstute, die immer ein bisschen unter Strom stand, was Don aber überhaupt nicht störte. Er ritt sie regelmäßig aber sehr defensiv, so als wäre er nicht wirklich daran interessiert ihr etwas beizubringen. Ich konnte mir keinen Reim darauf machen, traute mich aber auch nicht Don darauf anzusprechen.

Als er wieder mit einer meditativen Gleichmäßigkeit Volten ritt, muss er gesehen haben, was ich dachte. „It looks to you, as if I don‘t get anything done with that mare, right? Ich sagte nichts, fühlte mich nur ertappt. Ich muss gestehen, diese Ruhe mit der er seine Kreise zog, berührten mich, aber gleichzeitig fragte ich mich, was das alles sollte. Don sagte nur: „That’s the way you teach `em to turn…“ Yea right, dachte ich nur und konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass dieses Pferd auf diese Weise jemals auf der Hinterhand drehen würde.

Als ich ein paar Tage später mit einem Trainingspferd auf dem Weg zur Halle war und vor dem Öffnen der Türe, wie immer kurz die Lage checkte, sah ich aus den Augenwinkeln, wie Don ein Pferd drehte, so schnell und sauber, dass ich für den Bruchteil einer Sekunde überlegte, welches von seinen Pferden denn schon spinnen konnte und dann war alles klar. Es war Jessie, die jetzt so perfekt um die Hinterhand drehte, dass ich eine Gänsehaut bekam. Als Don mich sah, zwinkerte mir nur zu und sagte verschmitzt: “I told you, Micky…

She’ll eventually turn around…“

Don hatte keinen Namen für das, was er tat. Für ihn war es nur „dink‘n around“, was soviel heißt wie rumpuzzeln. Mein Respekt vor diesem Mann wuchs von Tag und Tag und ich nahm mir vor all das, was er wusste, zu lernen, besonders diese unaufgeregte Leichtigkeit, die bei allem, was er tat, mitschwang. Ich wollte wissen mit welchen magischen Tricks er den Pferden das drehen beibrachte. Es musste Magie sein, denn ich konnte von aussen nichts erkennen.

Er sagte nur, er benutze keine Tricks, er würde nur vorwärts und rum gehen und dann irgendwann langsam seine Hand zu seiner Hüfte ziehen und das war’s dann auch schon…

Was auf den ersten Blick so banal aussah, entpuppte sich bei genauerem Hinsehen als ein großes Ganzes, das aus drei Teilen bestand, die alle miteinander verwoben waren. Es ging um einen nach vorne gerichteten Gedanken, Rhythmus und Timing. Langsam verstand ich, dass es ohne dieses Zusammenspiel weder Stabilität noch Leichtigkeit geben konnte. Es war mehr ein „Bühne bereiten“, damit sich die Dinge in ihrer natürlichen Form entfalten konnten und dazu gehörte eine große Portion Ruhe und Gelassenheit, die ich damals noch überhaupt nicht hatte. Ich erinnere mich an Phasen, wo ich so frustriert mit mir selbst war, dass ich nicht mehr in der Lage war auch nur einigermaßen klar zu denken. In solchen Momenten sagte Don immer „ Micky, don’t worry about it. Just keep doing what you’re doing, and it’ll all fall into place.“

Dieser Satz hilft mir immer, wenn ich irgendwo festhänge und er erinnert mich daran, dass das wahre Geheimnis in der Ruhe liegt, ohne die es keine tiefgreifende Veränderung gibt

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Über Michaela Koelbl

In über 20 Jahren Arbeit mit den unterschiedlichsten Pferden und Menschen im In-und Ausland konnte sie eine Trainings-Philosophie entwickeln, die Rittigkeitsprobleme, Verhaltensauffälligkeiten, sowie Verladeprobleme von Sport-und Freizeitpferden gewaltfrei und effektiv löst.

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